4 Grad

In den vergangenen Tagen ist mir bewusst geworden, wie wenig auch Menschen mit hohem Bildungsgrad über die kommenden 20-80 Jahre im Lichte der kaum noch zu verhindernden Klimakatastrophe wissen. Und das, obwohl wir uns im ersten großen Massensterben des Anthropozäns befinden und auf den dritten Dürresommer in Folge zusteuern. Wieso hat kaum jemand gehört von 65m Meeresspiegelanstieg beim Abschmelzen der Polkappen, wieso kaum jemand gelesen über eine wahrscheinliche Temperaturerhöhung von 4 Grad Celsius in 2100? Also wiederhole auch ich nochmal:

Wir haben in Europa noch etwa 10 Jahre, um eine drohende, ernsthafte Wasserkrise bewältigen zu können. Danach setzen durch Menschen und ihre Technologien nicht umkehrbare (!) Kipppunkte ein, die dafür sorgen, dass wir an bestimmten Orten dauerhaft zu wenig Wasser haben. Dann muss man Menschen über längere Leitungen oder mit Tankwagen versorgen oder den Bewohnern nahelegen, ihren Wohnort zu verlassen. Über ausgetrocknete Böden, die kein Wasser mehr aufnehmen können, schwindende Flüsse, sterbende Bäume und Waldbrände mag man kaum nachdenken, so traurig ist der Gedanke.

Der Grund für eine solche Wasserkrise ist die auf der ganzen Welt steigende Durchschnittstemperatur. Ein Plus von 4 Grad am Ende des Jahrhunderts: Das klingt jetzt nicht nach so wenig, aber irgendwie auch nach Sommerurlaub – was muss man sich darunter eigentlich vorstellen? Mal zur Einordnung: am Ende der letzten Eiszeit vor 11000 Jahren war es 4 Grad kälter als heute. Die Welt war eine völlig andere: die Alpentäler mit Eis aufgefüllt, große Teile des Bundesgebietes unter Hunderten von Metern Eis; Skandinavien sogar unter kilometerdickem Eis. Eine ganz andere Welt – und so ist natürlich auch eine 4 Grad wärmere Welt eine völlig andere als die heutige. 

Zurück zum Wasser: Es gibt keine Katastrophenpläne, es gibt kein Konzept zur Trinkwasserversorgung von 80 Mio. Deutschen, es gibt keinen Plan B. Was es gibt, ist eine Abschätzung der Folgen: erstarkender Faschismus, steigende Kriminalitätsraten und natürlich immer weiter reglementierter Wasserverbrauch, um nur einige zu nennen.

Der einzige Weg, wie wir eine Temperaturerhöhung, die heute bereits über 1 Grad beträgt, auf ca. 1,5 Grad begrenzen können, ist politisch gesteuerter sowie freiwilliger radikaler Verzicht, und infolgedessen ein deutliches Sinken der Treibhausgasemissionen. Und zwar sofort, denn wir haben nur noch ein paar Jahre.

Nutznießer

Dieser Tage muss man sich häufig damit auseinandersetzen, ob denn nun Microsoft der Nutznießer der gegenwärtigen Corona-Krise sei. Ein wenig kurz gesprungen, zumal ja jede neue Situation immer sowohl Gewinner als auch Verlierer hat. Bei aller berechtigten Kritik gegenüber wachsender staatlicher Kontrolle in ihren Ausprägungen: Wem nützt ein Tsunami, wem nützt ein Bürgerkrieg, wem nutzt ein Vulkanausbruch? Wird man auch hier den Gewinnern den Zufall zum Vorwurf machen?

Arbeit nervt

Insbesondere in Deutschland, genauer: eher bei Männern als bei Frauen, ist der Anteil derjenigen, die unzufrieden mit ihrem beruflichen Tun sind, sehr hoch. Zeiteinsatz und angemessene Entlohnung sind die mehrheitlich beanstandeten Punkte – vielleicht können Vorgesetzte für bessere Quoten sorgen, indem sie besser und vor allem häufiger zuhören, sich Zeit nehmen für Einzelgespräche?

Postwachstum

Seit ein Virus die Welt zum Stillstand gebracht hat ist klimaverträgliches „Wiederanfahren“ der Wirtschaft regelmäßig Thema. In dem Zusammenhang reden viele von Postwachstum, Gemeinwohlökonomie, Verstaatlichung, „Degrowth“ und dem Irrtum, der sich Green Growth nennt. Nehmen wir mal an, dass ein Wachstumsverzicht  sozialverträglich geschehen kann (= überschaubarer Verlust von Arbeitsplätzen): Werden wir den Paradigmenwechsel auch in unseren konditionierten Köpfen nachvollziehen? Können wir auf Zinsen und Rendite verzichten, auf Kapitalanlage, auf Gehaltserhöhungen und Jahr für Jahr teurere Anschaffungen?

Habitat

Mein letzter Becher Kaffee warf die Frage auf, wie viele Menschen dieser Planet wohl zu ernähren in der Lage sei; eine Debatte, mit der sich Kirchenvertreter, Ökonomen, Philosophen und Mathematiker seit Jahrhunderten beschäftigen. Wann bremsen die „Konkurrenz der Genüsse“ und der sich verändernde Nutzen der Reproduktion den Bevölkerungszuwachs – noch in diesem Jahrhundert? Auf mehr oder weniger als 10 Mrd. Menschen? Welche Konflikte, hervorgerufen durch Temperaturanstieg, Ressourcenmangel, Bodendegradation, Vermüllung, Massenmigration garniert mit Neid, Gier und Angst erleben wir dann?

Advertising im Überfluss

Don Draper’s Tage sind vorbei: Wir werden durchschnittlich mit 4.000-10.000 Werbeeinblendungen pro Tag konfrontiert und übersehen/-hören entsprechend alles, was sich mit unseren persönlichen Interessen nicht überschneidet. Da ich auch in einer Welt ohne Werbung nur die Produkte und Dienstleistungen nutzen würde, die mich persönlich interessieren – ist dann Werbung, wie sie in 2020 betrieben wird, in vielerlei Hinsicht überflüssig?